Landschaft
Die Kyffhäuserbahn durchquert eine sehr reizvolle Mittelgebirgslandschaft. Zunächst im Tal der Wipper zwischen den Gebirgszügen der Wind- und der Hainleite, die beide von Buchenmischwäldern bedeckt sind. Das Wippertal selbst wird landwirtschaftlich genutzt, weist aber auch viele geschützte Landschaftszonen auf. Im weiteren Verlauf verlässt die Bahn das Wippertal und überquert die Ausläufer der Windleite um in die sogenannte Frankenhäuser Talung zu gelangen, eine weitläufige Niederung, die ihr Entstehen der Auslaugung unterirdischer Salzlagerstätten verdankt. Begrenzt wird sie im Norden vom Kyffhäusergebirge und im Süden vom weiteren Verlauf der nun eng beieinander liegenden Wind- und Hainleite. Die Frankenhäuser Talung geht dann in eine ebene Riedlandschaft über, die von unserer Strecke vollständig durchquert wird. Diese Riedlandschaft weist mit ihren Binnensalzstellen viele botanische Besonderheiten auf. Kurz vor dem Endpunkt der Strecke überquert die Bahn die Unstrut.
Streckenverlauf im Detail
Ihren Anfang nimmt die Kyffhäuserbahn im Bahnhof Sondershausen, wo sie von der Strecke von Nordhausen nach Erfurt (KBS 601) abzweigt. Die Züge fahren üblicherweise am Hausbahnsteig des Bahnhofs in Sondershausen ab. Der Bahnhof fällt durch seine ungewöhnliche Konstruktion der Bahnsteigdächer mit den die Gleise überspannenden Stützstreben auf.
Kurz nach der Abfahrt ist links der alte Lokschuppen mit noch vorhandener Drehscheibe zu sehen. Die Drehscheibe wird von allerlei Holzskulpturen eines Bildhauers, der sein Atelier im Lokschuppen hat, bevölkert. Rechts erhebt sich der imposante Förderturm des Kalibergwerks "Petersenschacht". Die Kyffhäuserbahn überquert die Bundesstraße nach Erfurt und macht einen großen Bogen um einen ganzen Stadtteil von Sondershausen, der deshalb auch "Im Bahnbogen" heißt. Diese Trassierung soll auf den zur Bauzeit der Bahn in Sondershausen residierenden Fürsten zurückgehen, der in der Nähe seines Schlosses keine Bahnlinie dulden wollte. Diesem Umstand verdanken wir heute einen Streckenabschnitt mit Einblicken in die Gärten großbürgerlicher Villen sowie einzelnen Ausblicken auf die Altstadt und das Schloss.
Der Haltepunkt Sondershausen-Süd ist zentrumsnäher gelegen als der eigentliche Bahnhof. Das hübsche Fachwerk-Bahnhofsgebäude steht leer; nur der unmittelbar in der Nähe liegende Schrankenposten ist noch besetzt. Dem Schrankenwärter steht eine kleine Bude zur Verfügung.
Zwischen Kaserne und Neubau-Wohngebiet geht es nun weiter Richtung Sondershausen-Jecha. Links vom Bahnhof Jecha liegt ein weiträumiges Gewerbegebiet, früher ging dort auch ein Gleisanschluss zu einer Fabrik ab. Der Bahnhof ist noch besetzt. Interessant ist ein kleines Stellwerk direkt auf dem Bahnsteig.
Die Landschaft wird hinter Jecha allmählich ländlicher. Die Bahn folgt nun dem Lauf der Wipper, die sie kurz vor dem Bahnhof Berka(Wipper) auf einer Stahlfachwerkbrücke überquert. Noch vor der Brücke zweigte früher ein Anschlussgleis zu landwirtschaftlichen Lagergebäuden und einem am Hang der Hainleite gelegenen Munitionsdepot ab. Der Bahnhof Berka weist noch umfangreiche, aber lange nicht mehr genutzte Gleisanlagen auf. Regelmäßige Zugkreuzungen fanden hier zuletzt 2004 statt. Auch dieser Bahnhof hat noch einen Fahrdienstleiter, der vorschriftsmäßig mit roter Mütze, Kelle und Pfeife die Züge abfertigt.
Die Strecke verläuft nun ein kurzes Stück direkt neben der Straße nach Bad Frankenhausen. Während die Straße aber bald die Windleite mit zahlreichen Kurven überwindet, nimmt die Bahn den direkten Weg durch das Wippertal. An der Stelle, an der sich Straße und Bahn trennen sind noch die Reste einer aufwändig mit einer Brücke über die Kyffhäuserbahn geführten Anschlussbahn zu einem ehemaligen Kalibergwerk ("Müsers Schacht") zu erkennen. Nun folgt ein weiterer sehr reizvoller Abschnitt entlang der Wipper. Die Landschaft hier steht zum großen Teil unter Naturschutz. Links der Abhang der Windleite, rechts die Wipper und einer ihrer Altarme. Der Bahnhof Hachelbich hat sein Bahnhofsgebäude Ende der 90er Jahre eingebüßt. Er liegt idyllisch am Rande des Dorfes. Hachelbich ist ein noch sehr ländlich wirkendes Dorf mit hübschen alten Häusern und einer auf einem Hügel stehenden weithin sichtbaren Kirche.
Weiter verläuft die Bahn parallel zur Gemeindeverbindungsstraße zwischen Hachelbich und Göllingen. Diese Straße fällt wegen ihrer geringen Breite und ihres größtenteils aus Kopfsteinpflaster bestehenden Belags auf. Dass diese Straße nicht auch schon wie fast alle anderen Straßen der Region breit und gut ausgebaut ist, liegt daran, dass es einen Rechtsstreit um die Trassierung der als Ersatz geplanten Straße auf der anderen Talseite gibt. Straße und Bahnstrecke bilden hier zusammen einen interessanten Akzent in der Landschaft. Nach etwa 2 km verläuft die Bahn weiter parallel zur Wipper, während die Straße eine kleine Anhöhe überwinden muss, bevor sie die am Bahnhof Göllingen wieder die Bahnstrecke quert und auf einer vom Jugendstil geprägten schmalen Brücke über die Wipper nach Göllingen führt.
Vom Bahnhof Göllingen aus führte eine Anschlussbahn zum früheren Kaliwerk Günthershall. Später befand sich auf dem Bergwerksgelände ein großer Industriebetrieb ("Inducal"), für den die Anschlussbahn ausgebaut und mit neuen Betonbrücken versehen wurde. Diese Brücken sind auch heute noch gut von der Kyffhäuserbahn aus zu sehen. Der Industriebetrieb ist nach der Wende geschlossen worden. Die kurzzeitig in den Gebäuden durchgeführte Fertigung von Flügeln für Windkraftanlagen ist inzwischen auch wieder eingestellt worden.
Interessant ist die Umgebung des Bahnhofs Göllingen aber auch durch die hier von der Wipper abzweigende sogenannte kleine Wipper, einem kleinen künstlichen Wasserlauf, der vor vielen Jahrhunderten, vermutlich von Mönchen des Klosters Göllingen, zur Wasserversorgung von Bad Frankenhausen gebaut worden ist. Dieser Kanal verläuft auch durch einen mehrere hundert Meter langen Tunnel. Der Abzweig der kleinen Wipper ist vom Zug gut an einem kleinen Fachwerkgebäude, in dem sich das Absperrwehr befindet, zu erkennen.
Die Kyffhäuserbahn beginnt nach dem Bahnhof Göllingen ihren Aufstieg aus dem Wippertal. Hier verläuft die Strecke durch eine wildromantische Naturlandschaft. Besonders schön ist immer wieder der Blick vom Zug auf den Klosterturm in Göllingen. Mit etwas Mühe kann man sehen, wo die Strecke den Kanal der kleinen Wipper überquert, kurz dahinter ist linker Hand die Mündung des Tunnels für den Kanal in einem tiefen Einschnitt. Die Bahn überwindet hier die hier recht niedrigen Ausläufer der Windleite. Am höchsten Punkt befindet sich der Bahnübergang für den schönen Wanderweg von Göllingen nach Bendeleben. In Bendeleben gibt es einen barocken Schlosspark und zahlreiche Baudenkmäler zu bewundern. Die Kirche von Bendeleben mit ihrem geneigten Turm ist vom Zug aus gut zu sehen. Die Aussicht nach links ist hier aber auch wegen des nun in den Blick kommenden Kyffhäusergebirges sehr lohnend. Hier kann man gut die steilen und unbewaldeten Abhänge des südlichen Kyffhäusers bewundern. Die davor in der Ebene liegenden Hopfenfelder bilden einen interessanten Kontrast. Nun durchquert die Bahn noch Streuobstwiesen, bevor sie den Haltepunkt Rottleben erreicht. Auch hier ist das Bahnhofsgebäude bereits abgerissen.
Weiter bergab erreicht die Strecke nun den Boden der so genannten Frankenhäuser Talung. Weitgehend gerade und eben läuft sie dann auf Bad Frankenhausen zu. Links zieht der Südhang des Kyffhäusers vorbei. Dort gibt es bei Wanderungen zahlreiche geologische, botanische und geschichtliche Besonderheiten zu entdecken.
Über Bad Frankenhausen thront weithin sichtbar das Panorama-Museum. In diesem Rundbau ist das Panoramagemälde des Malers Werner Tübke zum Andenken an die Entscheidungsschlacht des Bauernkrieges, die 1525 an dieser Stelle stattfand, zu sehen. Weiterhin fällt im Stadtbild von Bad Frankenhausen schon von weitem der schiefe Turm der Oberkirche auf. Er gilt mit 4.22. m aus den Lot als schiefster Kirchturm Deutschlands und ist schiefer als der Turm von Pisa. Bad Frankenhausen ist ein hübsches Kurstädtchen. Heilsam ist die dort aus einer Quelle sprudelnde Sole. Im Schloss befindet sich eine sehenswertes Museum. Erholung kann man in der Kyffhäuser-Therme finden.
Der Bahnhof Bad Frankenhausen wird außer für den Personenverkehr auch für Panzertransporte der Kyffhäuser-Kaserne genutzt. Panzer und Militärfahrzeuge werden hier an einer Rampe auf der Südseite des Bahnhofs ver- und entladen. Von dort führt eine spezielle Panzerstraße direkt zur Kaserne. Früher hatte die Kaserne auch einen direkten Gleisanschluss, der inzwischen jedoch abgebaut ist.
Hinter Bad Frankenhausen verläuft die Kyffhäuserbahn durch das Esperstedter Ried. Nur unmittelbar im Bereich von Esperstedt verlässt sie noch einmal kurz die Tiefebene, um in einem Einschnitt an Esperstedt vorbei zu führen. Beim Haltepunkt Esperstedt sind noch Reste umfangreicher, aber nicht mehr angeschlossener Gleisanlagen zu sehen. Hier zweigte früher eine Stichstrecke nach Oldisleben ab. Dort gab es eine Zuckerfabrik und ein Kalibergwerk. Die Strecke wurde bis Anfang der 90er Jahr als Anschlussbahn für die Zuckerfabrik genutzt und dann teilweise abgebaut. Die Zuckerfabrik ist heute ein technisches Denkmal.
Die Kyffhäuserbahn überquert nach dem Haltepunkt Esperstedt die Straße nach Artern und führt dann wieder direkt in das Riedgebiet. Dieser Streckenabschnitt verläuft deshalb auf einem Damm mit zahlreichen Brücken und Durchlässen. Rechts und links geht der Blick weit ins Land. Rechts ist der als "Thüriner Pforte" bezeichnete Durchbruch der Unstrut durch die Höhenzüge Hainleite und Schmücke gut zu erkennen. Links sieht man u.a. Artern. Hier, weitab von Straßen und Bebauung, kann man vom Zug oft Tiere, u.a. Rehe, Hasen, Wasser- und Raubvögel gut beobachten. Die Tiere lassen sich durch die langsam fahrenden Züge nicht mehr aus der Ruhe bringen. Unmittelbar vor Bretleben und der Einmündung in die Strecke von Erfurt nach Sangerhausen quert die Kyffhäuserbahn die Unstrut auf einer Stahlfachwerkbrücke.
Der Bahnhof Bretleben ist 1997 im Rahmen des Ausbaus und der Elektrifizierung der Strecke Erfurt-Sangerhausen umgebaut und modernisiert worden. Das alte Bahnhofsgebäude steht noch, genauso wie der schöne Wasserturm. Die Kyffhäuserbahn kommt auf Gleis drei an, gegenüber auf Gleis 2 fahren sowohl die Züge nach Sangerhausen und Magdeburg als auch die Richtung Erfurt ab. Einige Züge der Kyffhäuserbahn fahren weiter nach Artern. Dazwischen liegt noch der Bahnhof Reinsdorf, wo auf einem total verwahrlosten Bahnhofsgelände der Übergang zur Unstrutbahn Richtung Naumburg erfolgen kann. Die Strecke verläuft bis Artern weiter in der Flussebene der Unstrut. Von hier aus sind die bewaldenten Höhenzüge des Kyffhäusers, der hohen Schrecke und des Ziegelrodaer Forsts zu sehen.